Coronavirus (COVID-19) Update und Informationen für CED-Patienten

Zuletzt aktualisiert 12/01/2021

Das Wissen über SARS-CoV2, das Coronavirus, welches für die aktuelle COVID-19-Pandemie verantwortlich ist, wächst jeden Tag. Die Verunsicherung ist bei allen Menschen groß, aber besonders für CED-PatientInnen (unter Immunsuppression) ist die Situation besorgniserregend. Wir möchten hier nützliche Fakten und Tipps zur Verfügung stellen, die Ängste abbauen, Entscheidungshilfen darstellen und auch auf Reisen weiterhelfen.

Was sind die Symptome einer Coronavirus-Infektion?

Die häufigsten Symptome einer COVID-19-Erkrankung sind Muskelschmerzen, allgemeine Schwäche, Halsscherzen, Husten und Fieber. Typischerweise kann es auch zu einem vorübergehenden Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns kommen. Bei einigen PatientInnen, besonders Kindern, können auch Durchfall und Übelkeit auftreten. Viele Infizierte (ca. 40%) bemerken jedoch gar keine Beschwerden. Bei einer Minderheit der PatientInnnen kann die Erkrankung leider schwer und lebensbedrohlich verlaufen. Diese PatientInnen leiden oft unter hohem Fieber und Atemnot und benötigen dringend ärztliche Hilfe.

Wie verbreitet sich das Virus und was kann ich tun, um mich zu schützen?

Das SARS-CoV2-Virus verbreitet sich vor allem als Tröpfcheninfektion, also durch Husten Niesen, aber auch durch Reden oder engen räumlichen Kontakt. Das Virus wurde auch aus dem Stuhl von infizierten Personen isoliert und bleibt auf physischen Oberflächen lebensfähig. Daher sind sowohl eine fäkal-orale Ausbreitung als auch eine Ausbreitung durch Gegenstände und Oberflächen denkbar.

Um sich zu schützen, sollten sie eine Alltagsmaske in öffentlichen Räumen tragen, Ihre Hände regelmäßig waschen, und engen (<2 Meter) Kontakt mit anderen haushaltsfernen Personen sowie jeglichen Kontakt mit Menschen die Krankheitssymptome haben, oder positiv auf COVID19 getestet wurden, vermeiden. Wenn möglich, sollten Sie Menschenansammlungen und gesellige Zusammenkünfte umgehen. Außerdem ist es sinnvoll den lokalen Empfehlungen der Gesundheitsbehörden Folge zu leisten. 

Ob- und wie lange eine durchgemachte COVID-19-Erkrankung vor einer erneuten Infektion schützt, ist noch unklar. Da es mehrere Fälle gibt, bei denen sich Patienten nachweislich mehrfach mit dem SARS-CoV2-Virus angesteckt haben, sollten Sie auch nach einer COVID-19 Erkrankung die Vorsichtsmaßnahmen befolgt. Die in Deutschland seit Dezember 2020 zugelassene COVID-19-Impfung sollte als primäre Schutzmaßnahme unbedingt in Betracht gezogen werden (siehe unten). Die Entdeckung neu aufgetretener Mutationen des Virus, hat in den letzten Wochen für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Ihre Bedeutung für den Verlauf der Erkrankung und eine mögliche Immunität sind noch nicht vollständig verstanden, werden aber aktuell untersucht.

Kann gegen COVID-19 geimpft werden, wenn ich CED habe? Ist eine Impfung unter immunsuppressiver Therapie, z.B. mit einem Biologikum, möglich?

Aktuell befinden sich viele Impfstoffe gegen COVID-19 in der Entwicklung. Zum Zeitpunkt dieses Updates sind zwei mRNA-basierte Impfstoffe (von den Firmen Pfizer und Moderna) in Kanada und von der FDA in den USA und einer (Pfizer) auch in der Europäischen Union zugelassen worden. Der COVID-19 Impfstoff ist der erste zugelassene mRNA-basierte -Impfstoffe. Obwohl es sich also um ein neues Impfprinzip handelt, findet sich dieses bereits seit langer Zeit in der Entwicklung und seit 2017, im Rahmen anderer Erkrankungen, auch in klinischer Erprobung. In dieser Zeit wurden mehrere hundert Personen, die verschiedene mRNA-Impfstoffe erhalten haben, nun bis zu drei Jahren nachbeobachtet, ohne dass sich größere Sicherheitsbedenken gezeigt hätten. Auch in den Zulassungsstudien, zu den Corona-Impfstoffen, haben sich diese bis heute als sehr sicher erwiesen. Es ist wichtig zu betonen, dass mRNA in die menschliche Zelle aufgenommen wird, hier jedoch nicht an unsere DNA bindet und das menschliche Erbgut nicht verändert. In der Zelle wird die mRNA zunächst „abgelesen“, sodass ein Schutz gegen den Virus aufgebaut werden kann, anschließend dann jedoch rasch abgebaut. mRNA-Impfstoffe sind keine "Lebendimpfstoffe", da sie aus nicht-lebenden Molekülen bestehen und damit kein Potenzial haben, selbst infektiös zu werden. Obwohl CED-PatientInnen nicht in der getesteten Population der mRNA-basierten-Impfstoffe enthalten waren, gibt es aktuell keinen Grund zur Annahme, dass die zugelassenen mRNA-basierten-Impfstoffe für CED-PatientInnen ungeeignet sind. Nach heutigem Wissenstand sind diese für CED-PatientInnen sicher, auch wenn diese immunsupprimiert sind und Biologika erhalten. Da jeder Impfstoff das Immunsystem stimulieren kann, besteht ein geringes, bisher rein theoretisches Risiko, dass die Krankheitsaktivität der CED verstärkt werden könnte, oder eine Autoimmunerkrankung ausgelöst werden kann. Aktuell ist es unter Experten Konsens, dass die bekannten Risiken einer COVID-19-Erkrankung, die theoretischen Risiken der Impfung deutlich überwiegen, sodass eine Impfung für CED-PatientInnen empfohlen wird. 

Bei den anderen, sich aktuell in der Entwicklung befindliche Impfstoffe, handelt es sich vornehmlich um inaktivierte ("tote") Virusimpfstoffe und um Impfstoffe, sie aus viralen Proteinen bestehen und daher ebenfalls kein Infektionspotenzial haben. Auch diese sollten prinzipiell bei CED-PatientInnen angewandt werden können. Ein solcher Impfstoff von SinoPharm ist bereits für den Einsatz in China, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain verfügbar. 

Im Gegensatz dazu entwickeln mehrere Firmen Impfstoffe, die einen Vektor, also ein anderes, lebendes Virus verwenden, um die Impfinformation in den Körper einzuschleusen.  Diese Lebendimpfstoffe, z.B. von Johnson & Johnson, AstraZeneca und der Impfstoff des russischen Gamaleya-Instituts, nutzen einen Adenovirus als Trägervirus und können dadurch bei immunsupprimierten Personen ein infektiöses Potential haben. Genau wie andere Lebendimpfstoffe sind sie für Patienten unter immunsuppressiver Therapie daher kontraindiziert. Wie auch das Wissen um den Virus selbst, wächst das Wissen und die Möglichkeiten zur Impfung fast täglich, daher sollten Sie aufgrund der schnellen Veränderungen die jeweils aktuellsten nationalen Richtlinien bezüglich der COVID-19-Impfstoffe beachten.

Besteht durch meine CED oder meine Medikamente ein größeres Risiko, eine schwere Erkrankung zu bekommen, wenn ich mich mit dem Corona-Virus infiziere? Sollte ich deshalb meine Medikamente absetzen?

Bekannte Risikofaktoren für einen schweren Verlauf der COVID-19-Erkrankung sind hohes Alter, Bluthochdruck, Diabetes oder chronischen Lungen- oder Herzerkrankungen, Übergewicht und Rauchen. Dieses bedeutet jedoch nicht, dass ein Mensch, der einen dieser Risikofaktoren aufweist, immer einen schweren Krankheitsverlauf haben wird. Eine CED führt nach allen, bisher zur Verfügung stehenden Daten, nicht dazu, dass man sich schneller mit dem neuen Coronavirus ansteckt, oder einen schweren Verlauf entwickelt.  

Ein internationales Register, welches COVID-19-Infektionen bei CED-PatientInnen erfasst, wurde unter dem Namen SECURE-IBD (https://covidibd.org/) eingerichtet. Bis zum 22. Dezember 2020 wurden dem Register weltweit 4038 CED-PatientInnen gemeldet, die mit dem Coronavirus infiziert waren. Von diesen waren 2859 Patienten immunsupprimiert, 1179 hatten keine immunsuppressive Therapie. Zu den immunsuppressiven Medikamenten zählen Kortikosteroide, Azathioprin, 6-Mercaptopurin, Methotrexat, Tofacitinib und Biologika (z.B. Infliximab, Adalimumab, Golimumab und Ustekinumab). Das immunsuppressive Potential von Vedolizumab ist als sehr gering einzuschätzen. 

Die aktuellen Daten des SECURE-IBD-Registers sowie Studien aus den USA und anderen Ländern zeigen, dass CED-PatientInnen unter Immunsuppression im Generellen kein erhöhtes Risiko für eine Erkrankung oder einen schweren Verlauf, gegenüber CED-PatientInnen ohne immunsuppressive Therapie, haben. Eine Ausnahme stellen Glukokortikoide (Steroide) dar, deren Einnahme während der Infektion, das Risiko für einen schweren Verlauf steigert. Auch Azathioprin und 6-Mercaptopurin scheinen das Risiko leicht zu steigern. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass eine unkontrollierte, aktive CED-Erkrankung mit einem erhöhten Risiko für eine COVID-19-Erkrankung und einen schweren Verlauf einhergeht. 

Zusammenfassend gibt es bisher keinen Hinweis darauf, dass CED-PatientInnen aufgrund ihrer Erkrankung oder ihrer Medikamente ein höheres Risiko haben, sich mit dem neuen Coronavirus anzustecken oder eine schwere Erkrankung zu entwickeln. Eine aktive, unkontrollierte CED könnte mit einem erhöhten Risiko einhergehen. Daher empfehlen die Fachgesellschaften für Gastroenterologie, darunter die American Gastroenterology Association, die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen (DGVS) sowie die European Crohn's & Colitis Organization (ECCO) die Medikamente für Morbus Crohn und Colitis ulcerosa weiter einzunehmen. 

PatientInnen, die zwei Arten von immunsuppressiven Medikamenten erhalten, wie z. B. ein Biologikum und einen Immunmodulator, und solche, die Kortikosteroide einnehmen, sollten jedoch mit ihrem Arzt besprechen, ob eines dieser Medikamente abgesetzt oder reduziert werden kann.

Sollte ich das Medikament absetzen, wenn ich mit einer erkrankten Person Kontakt hatte oder wenn ich selbst krank bin?

Im Allgemeinen wird der Kontakt mit einer SARS-CoV2-positiven Person nicht als Grund angesehen, Ihre Medikamente abzusetzen oder auszusetzen. Sie sollten dies jedoch im Einzelfall mit Ihrem Arzt besprechen. Wenn Sie grippeähnliche Symptome entwickeln, unabhängig davon, ob bei Ihnen das neue Coronavirus diagnostiziert wurde oder nicht, dann sollten Sie ihren behandelnden CED-Spezialisten kontaktieren, um ggf. die immunsuppressiven Medikamente, bis zum Abklingen der Symptome, zu pausieren. Nicht immunsuppressive Medikamente wie Mesalazin müssen nicht abgesetzt werden.

Sollte ich es vermeiden, zu diesen Zeiten ins Krankenhaus, in die Klinik oder ins Infusionszentrum zu gehen?

Nicht unbedingt notwendige Klinikbesuche können, nach entsprechender Beratung durch Ihr CED-Team, verschoben werden. Einige Besuche in der Klinik können durch telemedizinische Konsultationen ersetzt werden, wenn diese verfügbar sind. Unverzichtbare Besuche, wie z. B. Besuche in der Notaufnahme bei einem schweren CED-Schub oder das Erhalten Ihrer Biologika-Infusionen in Infusionszentren, sollten nicht ausfallen.

Ich bin auf einer Reise in einem anderen Land gestrandet und mir gehen meine IBD-Medikamente aus. Was kann ich tun, bis ich wieder nach Hause fliegen kann?

Wenn Sie aufgrund von Flugsperren gezwungen sind, Ihren Aufenthalt außerhalb Ihres Heimatlandes zu verlängern, empfehlen wir Ihnen, einen Blick auf unsere Webseite "CED-Netzwerk" zu werfen. Dort finden Sie Details zu über 330 CED-Zentren auf der ganzen Welt, die sich uns angeschlossen haben, um CED-PatientInnen im Ausland zu betreuen und bei der Verabreichung von Biologika zu helfen (Sie müssen registrierter Nutzer des CED-Passes sein, um Zugang zu diesem Netzwerk zu erhalten). Wir empfehlen Ihnen, sich an das räumlich nächste Zentrum zu wenden, um vor Ort Hilfe bei der Medikamentenversorgung zu erhalten. Manchmal kann eine Kontaktaufnahme mit Ihren Ärzten zu Hause sinnvoll sein, da diese unter Umständen einen Kontakt zu Kollegen in Ihrem Reiseland herstellen können. Wenn es in dem Land, in dem Sie sich befinden, noch kein Zentrum in unserem Netzwerk gibt, können Sie uns eine E-Mail an info@IBDpassport.com schicken, und wir werden versuchen, über unsere weltweiten Verbindungen zu helfen. Bitte beachten Sie, dass unsere Antwort aufgrund der überwältigenden Anzahl von Anfragen und Bitten aktuell etwas verzögert sein kann.